Über-Laser, Alter!

Ja, dieser Post ist auf Deutsch… oder so ähnlich.

Von Twitters MrsRaven85 wurde ich auch folgenden Zeitungsartikel hingewiesen, der den viel diskutierten Vormarsch von Begriffen wie “Alter”, “Digger” und “Deine Mudda” diskutiert (und natürlich auch die Variationen “Alda”, “Aldeer” und “Digga”).

Und ja, ich weiß… Ich habe versprochen, dass dies kein Shakespeare-Blog wird, aber ich kann einfach nicht anders, als mich wieder einmal auf meinen Lieblingsbarden zu berufen, um diese Entwicklung zu verteidigen. (Falls jetzt jemand von euch vor Entsetzen vom Stuhl gefallen ist: Seht’s nicht so tight, Leute!)

Aber Vorsicht, jetzt wird’s tricky (O-Ton Referat einer Freundin an der juristischen Fakultät): Zu Shakespeares Zeiten gab es keine Rechtschreibregeln oder ähnliches und er ist dafür bekannt, Hunderte von Wörtern erfunden zu haben und wird auch noch dafür gerühmt. Also warum wird die Jugend von Heute dafür verteufelt, wenn sie so innovative Neologismen wie Tussitoaster* oder Brotox** erfindet? Und warum ist die Songzeile “Ey, scheiß Opfer, geh ma Frisör” von Casper weniger wert als Shakespeares “Now is the winter of our discontent made glorious summer by this sun of York”? Ich finde, die Selbstbeschreibung des deutschen Gangstarappers Kollegah passt auch auf Shakespeare: “Es ist immernoch der Typ mit den historischen Punchlines, die unvergänglich sind wie eine chronische Krankheit.”

Der Linguistik ist schon lange bekannt, dass Dialekte und Akzente das sogenannte “covert prestige” besitzen, welches Gruppenzugehörigkeit und Stolz auf die eigene Herkunft ausdrücken kann. So ist es wenig verwunderlich, dass beispielsweise der Film Clueless die Jugendsprache nachhaltig geprägt hat:

Und auch die amerikanische TV-Sitcom Friends zeigt, dass Jugendsprache identitätsgestaltend ist und nicht nur eine Verunglimpfung des Goethe’schen Deutsch (bzw. Shakespeare’schen Englisch), wenn Joey versucht, für eine Filmrolle als 19-Jähriger durchzugehen:

Mir ist durchaus bewusst, dass dieser Blogpost nicht viele Leute von der Kreativität und Innovation der Jugendsprache überzeugen kann, aber für die hartnäckigen Zweifler, habe ich hier noch eine wichtige Information: Die Erstverwendung des Wortes “Swagger” findet sich in Shakespeares Sommernachtstraum.

In diesem Sinne zitiere ich hier Cher Horowitz (aus Clueless) und verabschiede mich mit einem entschiedenen: I’m Audi!***

_______________________________________

*Solarium

**Gebrauch des Nervengiftes Botox bei einem Mann

***Heißt so viel wie “Ich bin dann mal weg”; klingt wie “I’m outtie”; Anspielung auf die Automarke Audi

________________________________________

Diesen Blogpost widme ich im Übrigen meinen Homegirls und -boys aus der Oldenburger Hood, die mich vom Über-Swag des Nordens überzeugt haben. Total Laser, wie die da abgehen.

Advertisements