Roadtrip, Part 4.

Nachdem wir die Stadt der Hochzeitskleider am nächsten Tag wieder verlassen hatten, ging es zum entferntesten Punkt unserer Reise, Madrid!

Madrid ist nicht nur am weitesten von zuhause entfernt, sondern war auch die Stadt, in der wir die meisten Tage verbracht haben, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass wir unbedingt am 30.9. noch in Madrid sein wollten. Zum Grund dafür komme ich später.

Spaniens Hauptstadt ist bekannt für ihr Nachtleben, weshalb wir auch direkt am ersten Abend noch loszogen und uns selbst davon überzeugen wollten. Vor jedem Clubbesuch muss man sich aber stärken, weshalb es zunächst einmal ins Tapasrestaurant ging. Ich habe übrigens die Angewohnheit, mir Sachen von der Karte zu bestellen, von denen ich nicht weiß, was sie sind. Dieses Mal fiel meine Wahl auf die ominösen gulas. Es stellte sich dann heraus, dass das wohl so etwas wie Babyaale sind, aber auch nicht wirklich. Meine Vermutung ist, dass es Fischreste sind, die in Babyaalform gepresst werden. Klingt merkwürdig, schmeckte aber gut. Darum sind auch ein paar Dosen davon in meinem Koffer gelandet.

Madrid

Als wir dann in eine andere Bar weiterziehen wollten, wurden wir auf der Straße von einem Kerl mit folgenden Worten angesprochen: “Hola chicas, do you want free Sangria? Free beer?” Hmm… Merkwürdiges Angebot. Lieber mal ablehnen und weiterlaufen. Aber schon nach ein paar Metern, kam der nächste von rechts angelaufen und stellte dieselbe Frage. Was geht denn hier vor sich? Freibier und kostenloses Sangria? Beim dritten, der uns die Frage stellte, haben wir uns das mal genauer erklären lassen und in der Tat funktioniert das so, dass diese Straßenanimateure Passanten abfangen und ihnen einen Freisangria anbieten, um mit in ihren Club zu kommen. Das haben wir dann direkt mal ausprobiert und tatsächlich funktioniert das ganz gut. Der Sangria ist zwar wässrig und das Bier natürlich klein, aber solange man nicht in einem Club versumpft und dann doch die teuren Getränkepreise zahlt (was natürlich Sinn dahinter ist), ist das absolut in Ordnung. So kann man in Madrid eigentlich den ganzen Abend kostenlos von Club zu Club ziehen und überall ein Freigetränk abstauben. Dieses Phänomen war dann auch der Grund, weshalb wir Madrid in “Klein Lloret” umtauften. Dort waren wir zwar noch nie, aber so ungefähr stellen wir uns Lloret de Mar auch vor.

Highlight im Madrider Nachtleben war für uns aber die Cervezería Alemana. Die stand auch im Reiseführer und eigentlich sind wir nur aus Neugierde mal rein. Eine deutsche Bierkneipe in Spanien muss man ja mal antesten. Uns wurde aber schnell klar, dass hier nichts mehr Deutsch ist, sondern wir eine wunderbare kleine Bar entdeckten, in der die Kellner ab und an singen, man uns kostenlos Schälchen mit Snacks hinstellt (und diese auch auffüllt, wenn sie leer waren) und in der sogar Hemingway in den 50ern mal auf ein Bierchen vorbeigeschaut hat. Die Cervezería Alemana bot uns auch Unterschlupf als vor der Tür die Demonstranten vorbeizogen, vor denen man sich ja in Acht nehmen sollte. Während außen also Spanier auf die anhaltende Wirtschaftskrise aufmerksam machten, saßen wir gemütlich in der Bar, wo man uns eine Runde Getränke und Oliven ausgegeben hat, um die Wartezeit zu überbrücken, bis es wieder sicher war, nach Hause zu laufen. Würde ich in Madrid leben, würde ich hier wohl Stammgast sein. Die Cervezería Alemana ist ein bisschen wie mein Stammpub hier in Nürnberg… nur dass alle Real Madrid Fans sind und ich mich nicht wegen meiner Ronaldoaffinität beschämt in die Ecke stellen muss. Toll, oder?

Und wo wir schon bei Real Madrid sind, kommen wir zum Highlight unserer Reise: Das Spiel von Real Madrid gegen Deportivo am 30.9.2012. (Und jetzt wisst ihr auch, warum wir an diesem Tag unbedingt in Madrid sein mussten). Die Karten dafür haben wir schon in Barcelona telefonisch geordert, wo ich mit meinem rudimentären Restspanisch dem verzweifelten Call Center-Agenten verklickern wollte, dass ich zwei gute Tickets will. Ich war bei dem Telefongespräch irgendwann so nervös und aufgedreht, dass ich nur noch in den Telefonhörer geschrien hab: “Dos tickets!!! Cerca a Mourinho!!!”

Ich und der falsche Mourinho

Und nahe an Mourinho waren wir tatsächlich. Erst kurz vor dem Spiel haben wir unsere Karten noch einmal genauer begutachtet und dabei festgestellt, dass da doch wirklich “Fila 1” draufsteht. Erste Reihe? What?? Nee, kann doch nicht sein. Doch! War so!

Vor dem Spiel

Bei einem Real Madrid Spiel in der ersten Reihe zu sitzen, war eine Erfahrung, die ich nicht missen wollen würde. Einfach mal ein ganz besonderes Erlebnis, auch wenn wir kurzzeitig vom Spiel etwas abgelenkt waren… Aber wie soll man auch auf den Ball achten, wenn sich Kaká so vor uns warm macht? Um mal die Nanny Fran Fine zu zitieren: Ist der caliente, oder was?

Zitat: “Zum Glück spielt Real immer in weißen Hosen”

Und es gibt jetzt auch tatsächlich ein Foto von mir mit meinem Gott, Vorbild, Mentor, Traummann, dem Special One, dem Only One, José Mourinho! Hach… Herz, was willst du mehr?

Ich und der echte Mourinho

Übrigens hat Real an diesem Abend 5:1 gewonnen. 3 Tore davon waren von Cristiano Ronaldo. Ein Tor war von Pepe und ein Tor haben wir Kakábedingt ein wenig versäumt.

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