Roadtrip, Part 2.

Nach Marseille wurde es dann auch endlich Zeit, Frankreich adieu zu sagen und uns in südlichere Gefilde aufzumachen. Nächster Stop war Barcelona, die Stadt des Feindesvereins und die Stadt, von der ich mir eindeutig am meisten erwartete.

Und sieht man einmal von den zig Tausend Kindern und Teenies in Messi-Trikots ab, hat Barcelona meine Erwartungen auch erfüllt. Die Stadt ist lebendig, lebensfroh und natürlich auch touristisch, was mich aber nie störte. Ich bin einfach gerne in Städten, die nach außen hin touristisch wirken, weil ich dabei stets daran erinnert werde, welch Glück ich habe, gerade in dieser Stadt zu sein und wie viele Menschen gerade gerne mit mir tauschen würden. Das fand ich schon in London immer toll: Über die Milleniumbridge zur Uni zu laufen und die Mittagspause im Tate Modern verbringen… Was will mein anglophiles Herz mehr?

Wer nach Barcelona kommt, kommt an Gaudí natürlich nicht vorbei. Gaudí hat das Stadtbild so nachhaltig geprägt, dass man sich Barcelona ohne den Park Güell, das Casa Milà, oder die Sagrada Familia eigentlich nicht vorstellen kann. Dabei verzichtet er weitestgehend auf rechte Winkel und gerade Linien, was seine Bauwerke so unverwechselbar macht. Obwohl Natur und ich normalerweise eher auf Kriegsfuß stehen, macht es einfach Spaß durch den Park Güell zu schlendern und die Formen und Farben auf sich wirklich zu lassen, auch wenn uns dort nicht Javier Bardem begegnet ist wie den Mädels in Vicky, Cristina, Barcelona. Marina and the Diamonds hat wohl doch recht: “Hollywood infected your brain, you wanted kissing in the rain.” Yes, pleeeease!

Die Echse am Eingang des Park Güell

Säulengang… und wer fleißig America’s Next Top Model schaut, weiß, dass hier schon Tyra Banks war 🙂

Casa Milà

Glück hatten wir in Barcelona vor allem durch den Reisezeitpunkt, denn um den 24. September herum findet jährlich die Fiesta la Mercé statt. Die Katalanen feiern hier die Schutzpatronin La Mercé, die der Legende zufolge im Jahre 1687 eine Heuschreckenplage von Barcelona abwendete. Heute heißt das, dass man ein paar Tage lang umsonst in viele Museen darf, sich Prozessionen mit feuerspeienden Pappdrachen ansehen kann oder zum großen Highlight pilgert: dem Piromusicál auf der Placa Espanya. Gesagt, getan. Barcelona feiert sich hier mit einem großen Feuerwerk und dazu passender Musik, die die Stadt und Katalonien an sich feiert. Da das Motto dieses Jahr ein Rückblick auf die olympischen Spiele von 1992 sein sollte, durfte natürlich (zu Izzys Missgefallen) auch Freddie Mercurys und Montserrat Caballés Barcelona nicht fehlen.

Wäre ich ein Mann, könnte man den nächsten Tag in Barcelona unter das Motto “heteronormativ” stellen, denn während Izzy sich dafür entschied, shoppen zu gehen, stand für mich eine Besichtigung des Stadions von Barcelona, des Camp Nou an. Well, you gotta keep your friends close, but keep your enemies closer! Feindesgebiet zu kennen, schadet nie, oder?

Genau wie Barcelona sich selbst an der Fiesta la Mercé feiert, so sehr feiert sich der FC Barcelona im eigenen Stadion. Aber ich gebe es ja zu: Sie haben schon Grund dazu und 6 Trophäen in einer Saison will man eben auch erst mal holen. Aber muss man die Real Madrid Fans denn mit 11 (!) Großbildleinwänden quälen, auf denen Messias Tore gegen Real Madrid in Endlosschleife laufen? Why, Barca, why??? Ich fühlte mich auf der Stadiontour zwischen all den Menschen in Messishirts eher wie eine Shakespearologin unter Finanzbeamten. Ich beschloss, dass es genug der Tarnung war und stellte mich todesmutig an der Schlange an, um Photoshopfotos mit den Spielern zu machen. Als ich an der Reihe war, war die erste gelangweilte Frage des Fotografen, der vorher ca. 10 Japanerinnen grinsend vor grünem Hintergrund ablichten durfte, “Messi?” Die Antwort lautete natürlich: “Sí… Messi.” Er erklärte mir dann, dass ich mich auf das rote Kreuz zu stellen hätte und ein Victoryzeichen machen könne oder so tun, als würde ich den Arm um Messi legen oder meinem neuen imaginären Freund Lionel ein Küsschen auf die Wange drücken könne. Meine Frage: “Well… May I do something different?” Nach kurzem Zögern, antwortete der nette Fotograf: “Hmm… why not? Go ahead.” Und heraus kam dieses Bild:

Nah, Leo… I told you I like Cristiano!

Mit einem schnellen “Sorry, pero soy madridista!” verabschiedete ich mich also vom verdutzten Fotografen und verließ erhobenen Hauptes das Camp Nou. Übrigens will Katalonien die Unabhängigkeit. Ich muss sagen, dass ich voll und ganz dafür bin! Barca nicht länger Teil der spanischen Liga? Hell, yeah!

Und da der gestrige Post schon mit einem Cliffhanger beendet wurde, soll das heute auch in altem Lindenstraße-Modus so geschehen: Was wird die nächste Station unserer zwei Heldinnen sein? Werden sie auf ihrer Reise noch dem großen Ronaldo begegnen? Oder werden sie von wütenden, Messi-Shirt-tragenden Katalanen mit Heugabeln aus dem Land getrieben werden? Fragen über Fragen, die die nächsten Tage beantwortet werden…

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