Roadtrip, Part 1.

Was kommt dabei heraus, wenn man 2 Mädels für 2 Wochen und über 4.527 Kilometer in einen grünen Skoda Fabia steckt? Viel zu erzählen!

Und deshalb lege ich jetzt besser mal los. Vor ungefähr einem Monat haben wir also unsere übervollen Koffer gepackt und sind Richtung Süden gefahren. Als besonders sinnvoll hat sich auf dieser Reise übrigens mein CD-Wechsler im Auto erwiesen, da der handelsübliche Skoda-CD-Player vor einigen Monaten meine Adele-CD geschluckt hat… Hätten wir auf den vollen 4.527 Kilometern Adeles melancholischen Litaneien lauschen müssen, hätten wir uns wohl spätestens in Barcelona Anna-Karenina-like vom Tibidabo gestürzt. Stattdessen gab es also viel Enrique, Destiny’s Child und Shakira. Waka Waka!

Erster Stop war zunächst einmal Basel, die vermutlich autounfreundlichste Stadt Europas. Falls ihr jemals nach Basel wollt, versucht es lieber zu Luft, zu Wasser oder gleich mit dem Velo, denn Parkplätze sind in Basel seltener als Gute-Laune-Lieder auf einer Adele CD. Da ich bis dato schon einige Wochen Semesterferien hinter mir hatte und die Uni schon schmerzlich vermisste, besuchten wir kurzentschlossen unsere Schweizer Gastgeberin Anika in der Uni, wo wir an ihrem Tutorat zu Sexualität und Macht teilgenommen haben. Meine Professoren wären vermutlich stolz auf mich, wenn sie wüssten, dass mein erster offizieller Urlaubstag damit ganz im Zeichen von Foucaults Machtbegriff stand.

Im Grunde war Basel allerdings nur ein kurzer Zwischenstop, der dennoch mit einem Gläschen Wein am Rheinufer voll ausgekostet wurde. Am nächsten Morgen mussten wir dann früh raus, um den etwas abenteuerlicheren Teil unseres Urlaubs in Angriff zu nehmen. Auf der Suche nach Unterkünften in Marseille, stießen wir nämlich auf ein interessantes Angebot: Boot zu vermieten. Und sofort setzte das Kopfkino ein und wir sahen uns im Stile Brigit Bardots auf dem Sonnendeck unseres Bootes unter der Sonne der Cote d’Azur brutzeln. Geträumt, gebucht. Auf der Fahrt zum Boot wurde uns dann doch ein wenig mulmig: Holt uns tatsächlich jemand am Hafen ab? Ist es noch warm genug, um die Nacht auf einem Boot zu verbringen? Was haben wir uns dabei nur gedacht? Zum Glück lief aber alles wie am Schnürchen und Olivier holte uns am Hafen von La Ciotat ab und überreichte uns den Schlüssel zu “unserem Boot”, auf welchem sogar ein paar Bücher zu finden waren… und ein Pornoheft zwischen den Büchern, was Roadtripbegleitung Izzy mit einem “Wuaaaaah” quittierte.

Auf dem Boot in La Ciotat

Also, erstmal in das kleine Städtchen laufen, Käse, Baguette und Wein kaufen und die letzten Sonnenstrahlen des Sommers genießen. Was heißt “La Dolce Vita” auf Französisch?

Highlight war übrigens auch als mich der Bootsnachbar am nächsten Morgen mit einem fröhlichen “Bonjour” grüßte. Man nimmt mir die Rolle der südfranzösischen Bootsbesitzerin also ab. Ziel erreicht!

Am nächsten Tag ging es dann weiter ins 20 Kilometer entfernte Marseille. Vor Marseille hatten wir schon etwas Respekt, da man ja alle möglichen Horrorgeschichten über die Kriminalität dort hört. Auch Oliviers Reaktion war da nicht sehr förderlich: “Marseille?? Ouuu….” Aber was soll’s. Ich hatte vorher 8 Monate Tottenham überlebt, also was sollte mir Marseille schon anhaben können. Als Vorsichtsmaßnahme (und weil wir leicht zu lockende Opfer sind), haben wir vorher übrigens beschlossen, uns in Marseille eine etwas teurere Bleibe zu gönnen und bezogen unser Zimmer im Designhotel Mama Shelter. Neben so netten Details wie einem iMac auf jedem Zimmer, mit dem man sich selbst auf dem Bett fotografieren konnte (Hmm…), stach vor allem die Wanddeko ins Auge, die aus Batman- und Supermanmasken bestand. Vielleicht ist das für die Leute, die sich gerne anonym auf dem Bett fotografieren. Wer weiß!

Nananana Nananana BATMAN!

Wenn es um Marseille geht, waren Izzy und ich nicht ganz derselben Meinung. Marseille wird nächstes Jahr Kulturhauptstadt, was ich persönlich nicht ganz nachvollziehen konnte. Ein wenig hat mich Marseille an eine Filmkulisse erinnert. Wenn man sich in einen der roten Touristenbusse setzt, der an der Küste entlang bis hinauf zur Kirche Notre Dame de la Garde fährt, zeigt sich Marseille von seiner besten Seite: Strand, Villen, wunderschöne Kirchen. Geht man jedoch ein paar wenige Schritte ins Stadtinnere, erlebt man die zweite Seite von Marseille: Kleine Gassen mit häufig heruntergekommen wirkenden Bars und Graffiti an den Häusern. Während ich absolut nichts gegen solche Viertel habe, war es in Marseille doch diese extreme Zweiteilung, die mir ein wenig zu krass war. Marseille ist ein bisschen wie Dr. Jekyll und Mister Hyde und so ganz konnte mich das nicht überzeugen. Dafür war allerdings die Fischsuppe umso leckerer!

Hauptsehenswürdigkeit in Marseille ist übrigens der vermeintlich schönste Kreisverkehr Europas:

Wie es in Barcelona, Zaragoza, Madrid, Pamplona und Vichy weiterging, erfahrt ihr dann in den nächsten Tagen. Adieu!

 

 

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