Roche, Böhmermann und das hässliche Entlein

Sonntags, halb 12 auf Twitter: Der Hashtag #RundB erscheint in steigender Anzahl in meiner Timeline und ich werde neugierig. Also ran an die Fernbedienung und – wie schon so oft – den Programmtips der virtuellen Timeline folgen.

Roche und Böhmermann ist keine Talkshow wie jede andere, sondern will offener, frecher, und investigativer sein. Hochtrabende Pläne, doch was stattdessen dabei herauskommt ist eine alternative Travestieshow.

An einer Tafelrunde sitzend, die an König Arthur erinnert und wohl Demokratie implizieren soll, sitzen Moderatorenpaar und Gäste, reden oft wild durcheinander, trinken eine honigfarbene Flüssigkeit aus einem dekadenten Dekanter und rauchen. Eine graue Rauchwolke schwebt über der illustren Gesprächsrunde, die auch mal verlassen wird, um auf die Toilette zu gehen. Natur zollt nun mal ihren Tribut, wenn man während der Show mehrere Gläser Wein und Bourbon trinkt.

Die Aufmachung wirkt gewollt alternativ und gezwungen kreativ.

Roche und Böhmermann will anders sein, koste es was es wolle. Leider begeht das Format damit aber einen der fatalsten Fehler des Unterhaltungsfernsehens: Das Publikum wird unterschätzt.

Liebe Charlotte, lieber Jan. Ihr habt das doch nicht nötig. Ihr müsst euch nicht unter der alternativen Rauchwolke verstecken und möglichst viele popkulturelle Metaphern benutzen, um intelligent zu wirken. Das Publikum würde auch merken, dass eure Talkrunde anders ist, wenn ihr im Studio von Britt drehen würdet. Auch braucht ihr keinen Einspieler, der nochmal gespielt geschockt darauf hinweist, dass ihr gerade das Wort “Muschi” benutzt habt. Say pussy and get over it, for fuck’s sage. Eure Zuschauer verstecken sich bei diesem Wort längst nicht mehr unter ihren Petticoats oder zurren an ihren Hosenträgern. Eure Gesprächsthemen sind interessant und eure Gäste gut gewählt, aber warum müsst ihr ständig mit dem Zaunpfahl der Alternativität und Transgression winken, bis auch der letzte Zuschauer merkt, wie gekünstelt diese eigentlich offene und freche Talkshow doch ist.

Roche und Böhmermann ist das hässliche Entlein des deutschen Fernsehens. Man erfreut sich daran, anders und “hässlich” zu sein (wie der Schluss des kurzen Clips zeigt), da man weiß, dass man letztendlich der Schwan unter all den anderen Talkshowenten sein wird. Anders sein ist ja gut und schön, aber euer Publikum erkennt das auch ohne Raucheffekte, achso transgressiven Alkoholkonsum und der nervigen Persiflage auf C-Promi-Einspieler anderer TV-Formate.

Für mehr Talk, und weniger Show! 

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One thought on “Roche, Böhmermann und das hässliche Entlein

  1. Kann ich nur so unterschreiben. Ich mag Roche sehr gerne und ihre Art zu interviewen, aber dieses Format ging mir schnell nur noch auf die Nerven. Die gestrige Folge habe ich gar nicht mehr gesehen. Und auch die gewollte Ungezwungenheit hilft nicht weiter, wenn man einen Moderator dazwischen sitzen hat, der sich nur gerne selbst reden hört. Da ist auch egal, was für tolle Gäste eingeladen werden, denn wenn die nicht mal in Ruhe erzählen können, muss ich sie mir auch nicht in einer Talkshow ansehen.

    Für mehr Talk, weniger Show! Und für mehr Talk der Gäste, weniger dummes Gelaber von Böhmermann!

    Habe die Ehre!

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